Filmabend zu "Der DAV Leipzig wird 150 Jahre"

Berge 150

Was mir zum Jubiläum meines DAV (Deutscher Alpenverein) so alles einfällt

Zunächst: Bin genau halb so alt wie er. Und: Ich nehme die Film Tour „Berge 150“ des DAV am 15.02.2019 in Leipzig zum Anlass, darüber nachzudenken.

Ein Filmabend mit den  besten Bergfilmen der letzten 100 Jahre, ein großes Versprechen!

Der erste Film „Der weiße Rausch“, 1931, ein Ski Film von Arnold Fanck. Was kaum einer weiß, der Hauptdarsteller ist Hannes Schneider vom Arlberg, der berühmteste Skifahrer der Welt, zumindest vorm Krieg. Mein Lieblingsbuch war „Auf Schi in Japan“. 1930 hat er das Skifahren nach Japan gebracht und später auch nach Nordamerika. Hannes Schneider ist leider in der Welt weitgehend vergessen, aber zu Hause noch hochverehrt, s „Hannes Schneider 100 Jahre“ im Internet u.a., auch von mir, als Skifahrer und Mensch. Und nun zeigt der Film atemberaubend und abenteuerlich, wie das Skifahren damals war, mit alter Technik, in ursprünglicher Bergwelt. Und dann erinnere ich mich, wie vor ca. 40 Jahren in meinem zweiten Heimatort Burghausen bei Leipzig eine nette alte Frau mir übern Weg läuft: „Herr Klingner, sie sind doch Bergsteiger und ich bin früher mit Hannes Schneider Ski gefahren!“ Das hat mich fast umgehauen, eine junge Frau, damals mit den Latten (Über zwei Meter Holz, Riemenbindung, Lederschuhe), unverspurte und unberührte Bergwelt damals, 20er und 30er Jahre, Chapeau! Und das Buch hat nun ehrenhalber mein junger Geschäftsfreund und Skilehrer Eric Kuhn, der alles weiß, alles will, alles kann und auch Skilehrer in Japan war. Immerhin habe ich nun endlich Hannes Schneider mal persönlich (im Film) kennengelernt! 

Der nächste Film „Der Berg ruft“, 1937, der Kampf ums Matterhorn mit Luis Trenker in der Hauptrolle. Ein dem damaligen Zeitgeist entsprechender ins heldenhafte überzeichneter Bergfilm. Für mich verbunden mit zwei Begebenheiten. Nachdem Whymper „gesiegt“ hat, stand ich letztens vor dem Museum in Zermatt mit dem gerissenen Hanfseilstück. Einmal berühren war mein großer Wunsch. Aber manche Wünsche erfüllen sich eben erst im zweiten Leben.

Und: Die meisten Bergfreunde wissen, dass Reinhold der beste Bergsteiger der Welt ist. Aber fast keiner weiß, dass eines seiner guten Bergbücher der „Absturz des Himmels“ ist, über die ganze Dramatik der Erstbesteigung 1865. Und Reinhold, der alles schon er- und überlebt hat, kann es sicher am besten nachvollziehen, ja wissen und fühlen wie es damals war. Die Hauptperson, wie im Film und auch im Buch, ist Carrel auf der italienischen Seite, der „Unterlegene“. Aber wie schon im Film und nun auch in der Neuzeit ist Carrel der eigentliche Sieger der Geschichte. Und da Reinhold weiß, dass in meinem Bergsteigerleben auch manchmal der Himmel eingestürzt ist (Gott sei Dank nur fast), hat er mir eine Widmung in sein schönes Buch reingeschrieben.

                                           

Allerdings nach mehreren Gläsl südtiroler Rotwein. Wahrscheinlich aber wäre die Eintragung vom großen Meister, nie Gestürzten, alles Überlebenden und in Sachen Berge alles Wissen- und Entscheidender im nüchternen Zustand anders ausgefallen.

 

Der dritte Film „Nanga Parbat“, 1953, von Hans Ertl über die Erstbesteigung des „Schicksalsberges der Deutschen“. Mit Hermann Buhl, das Vorbild vieler meiner Generation in den Jugendjahren, im Alleingang mit Biwak auf 8000m zum Gipfel. Ich habe als 10jähriger seinen Vortrag im Capitol in Leipzig gesehen und wahrscheinlich wie alle anderen beschlossen Bergsteiger zu werden. Das habe ich dann auch sieben Jahre später gemacht. Wie mein Thüringer Bergfreund Günter Jung auch. Aber der hat es gründlicher gelebt. Er hat nach Buhl’s Vortrag in seinen Jugendjahren ziemlich genau 50 Jahre danach sein Leben auf diesem Berg nach dem Gipfelsieg 2004 beschlossen. 65 Jahre alt, viel zu jung eigentlich, wir wollten noch so viel machen. Und irgendwie ist er auch schuld, dass ich danach ein ziemlich ängstlicher Bergsteiger wurde. Vielleicht, weil man Freunde nicht einfach so gehen lässt.

Ein ganz toller Film, damals 1953. Auch das Buch von Hermann Buhl „8000 drunter und drüber“ war meine Bibel. Das ging sogar so weit, dass wir alles versuchten nachzumachen, auch Kälte zu trainieren, indem man Schneebälle in die Hände nimmt bis zum Abschmelzen. Vielleicht sehen deshalb ich und meine Hände so alt aus. In Erinnerung ist mir noch das Bild Hans Ertl’s, das er von Hermann bei der Rückkunft vom Gipfel gemacht hat. Im Buch in etwa: „…vor Rührung über das Wiedersehen hat er sich hinter seine Kamera versteckt…“. Das Foto, das damals um die Welt ging, fehlt natürlich im Film. Wahrscheinlich sagen manche Fotos mehr als alles andere, eigenartig.

Hermann Buhl                                                 Günter Jung

So, es gab noch vier andere Filme.. Ein sehr schöner Querschnitt über die wunderbare Welt des Bergsteigens, über Berge, Menschen, Abenteuer. Auch zum Mut machen ganz im Sinne des DAV: „Der Weg ist das Ziel!“

Ich wollte nur noch sagen, dass ich meist auch nur nach einem Glasl Wein zur Feder greife und deshalb vielleicht nicht alles Geschriebene wahr ist. Und übrigens, je älter man wird und je weiter die Ereignisse zurückliegen, desto geringer wird der Wahrheitsgehalt sein.

Erhard Klingner, Februar 2019 in Leipzig