Kletterurlaub mal anders – oder: KKK Kultur Klettern Klemmkeil

Wohin im Sommer?

von Rüdiger Penkwitt

Man wird älter, ruhiger, verheiratet und somit sind die Interessen vielseitiger. Seit einiger Zeit reizt mich / uns der Süden immer weniger und wir besinnen uns auf die schönen Ecken hierzulande, die uns umgeben.


Die Insider schweigen! Alle anderen dürfen raten: 
Wo steht dieser fast 100 Meter hohe Kletterfels?

Das gilt zumindest für den Sommer. Im Winter lockt natürlich immer noch die wärmende südliche Sonne. Neben dem mir durch fast 20-jährige Anwesenheit gut bekannten Frankenjura, der zuweilen fast überlaufen ist, öffnete sich unser Blick weiter nach Norden und Osten. Da wir gerne gegen den Strom schwimmen, sind wir auch oft in den neuen Bundesländern unterwegs. Im Frühjahr waren wir in Sachsen, wobei die Sächsische Schweiz von uns aufgrund mangelnder Knotenschlingen-Kenntnisse etwas gemieden wurde. Neben der Sächsischen Schweiz gibt es jedoch auch einige andere Gebiete in Sachsen, die durchaus einen Besuch wert sind. Aber hierzu könnte man einen eigenen Artikel schreiben. Selbstverständlich sind nicht alle Klettergebiete toll. Nicht umsonst sieht man in Franken viele sächsische Kennzeichen an den einschlägigen Parkplätzen der Felsen. Aber seltener sieht man das Kennzeichen EA, welches mir bislang unbekannt war.

Thüringen?

Es ist das Kennzeichen von Eisenach in Thüringen. Thüringer Wald, Eisenach, Wartburg, Luther, ja da dämmert es ganz dunkel. Ein Ort, der für unsere heutige Kultur sehr prägend war, in der DDR-Zeit etwas vernachlässigt wurde und jetzt wieder in neuem Glanze erstrahlt. Abseits des Mainstream-, Massen- und Klettertourismus kann man hier ruhige, beschauliche, aber auch sehr eindrucksvolle Erlebnisse sammeln.


In der Innenstadt von Eisenach.

Der Thüringer Wald ist ein fantastischer Ort mit vielen interessanten Schluchten, Kuppen und Hügeln, an denen man Felsen unterschiedlichster Gesteine, Ausrichtung, aber auch Qualität finden kann. Wie bei den anderen Gebieten in den neuen Bundesländern bedienen wir uns auch hier der liebevoll und detailliert gemachten Führer des Geoquest-Verlages. Hier im Thüringer Wald ist es der Band „SteinReich“.

Über aktuelle Sperrungen (ja, diese gibt es hier auch, denn wir bewegen uns zum Teil in Natur- und Landschaftsschutzgebieten) informiert die Internetseite kvfl.com. Aber ab Ende Juni ist das meiste an zeitlichen Beschränkungen aufgehoben. Totalsperrungen einiger interessanter Felsen gibt es auch, aber wie überall muss man damit leben.

Los geht die Reise

Nach einem kleinen Sightseeing Ausflug nach Gotha (gerade zufällig auf das Barockfest mit prunkvollen Kostümen und lauten Böllerschüssen getroffen) und einer tollen Feierabendrunde mit dem Mountainbike durch den Lauchagrund bei Bad Tabarz zur Erkundung der Felsen (wir kommen wieder) sind wir am Tag darauf zum Kurzcheck der Stadt nach Eisenach gefahren und abends noch schnell bei Mosbach im Tal etwas zum Klettern gegangen.

Moosbachtal bei Eisenach

Klar, hier gibt es keine High-End-Routen wie im Frankenjura oder Ceuse, aber bei etwas über 35 m hohen Wänden in witzigem Porphyrkonglomerat lohnt es sich schon mal, das Seil aus dem Rucksack zu nehmen. Auf den ersten Blick sehen die fett bemoosten Einstiege und die in 5 bis 8 m Höhe blitzenden Bühler nicht gerade sehr einladend aus. Gut zu legende Klemmkeile beruhigen aber die Nerven auf dem Weg durch das Moos, der sich als weniger gruselig herausstellt, als er zunächst aussah. Und danach folgen fantastische Felsfahrten in Rissen, Verschneidungen, Wänden und kleinen Wülsten – und das Ganze gekrönt mit einem Stand inklusive Wandbuch sowie einem genialen Blick über den Nordrand des Thüringer Waldes.


Klettern am Hangstein.

Kleine und große Kiesel und Brekzien, die in den Porphyr eingebacken sind, ragen aus dem Moos und weiter oben aus der zum Teil kompakten Felswand und laden zum Klettern ein. Die Reibung des Gesteins ist durch das zusammengebackene Material fantastisch. Man steht auf nahezu allem und kann sich so leicht mit der weiteren Führung der Route beschäftigen, die aufgrund der hohen Dichte und der Zahl von Varianten nicht immer ganz offensichtlich ist. Manch lose Schuppe oder Kiesel lässt sich leicht umgehen, aber man muss halt schon ein wenig schauen, was einem als Griff oder Tritt dienen soll. Parken kann man gut am südlichen Ortsende von Mosbach, wenige Kilometer von Eisenach entfernt (wir haben hier im Bus übernachtet und es hat sich keiner darüber aufgeregt. Wobei klar sein sollte, dass man keinen Müll und sonstigen Unrat hinterlässt). Mit dem Fahrrad ist man in etwa einer Stunde durch den schönen Wald nach Eisenach geradelt. Zahlreiche Seitenpfade neben den großen, gut ausgebauten Forstwegen laden zu kleinen Singletrail-Einlagen ein. Die Schwierigkeiten variieren von absolut spaßigen Ab- und Auffahrten mit Wurzeln und Steinen bis zu Steilabfahrten, die wir kopfschüttelnd verweigerten (wir wollten ja noch klettern und nicht mit Abschürfungen oder Gips die Zeit im Krankenhaus verbringen). Ein Muss für Ruhetage sind die pittoreske Drachen- und die weniger bekannte Landgrafenschlucht, die man in einer 11 km langen, sehr empfehlenswerten Schluchtentour zusammenfassen kann. Nach einer Regennacht und feuchten Felsen (das Einstiegsmoos wird sicherlich nicht angenehmer sein) haben wir uns diese tollen Schluchten erwandert. Mit dem Bike von Mosbach an die Hohe Sonne, dort das Rad abgestellt und ab durch die märchenhaften Schluchten, dann noch eine Runde mit dem Mountainbike über ein paar Teiche zur Sängerswiese und tolle Singletrails über die Teufelskanzel bis nach Eisenach. Leichter Hunger macht sich breit. Da links, ein unscheinbares Hinweisschild „Eis“ an einem kleinen Häuschen. Erst dachten wir, da ist geschlossen, der Hof dunkel, das Haus nicht beleuchtet, aber eine nette Frau erklärt uns, dass man durch den Hof muss und dann eine Treppe nach oben und dass man hier auch essen kann. Die Eisdiele „Kalter Kuß“ mit Lokal stellt sich als weitere Entdeckung dieses Tages heraus: leckere Kost, keine Touristen und lauter nette Einheimische beim Feierabendbierchen, ein witziger Wirt mit gutem Humor und netten Geschichten. Mit gefülltem Bauch, einigen Bierchen und guten Gesprächen machen wir uns auf den Heimweg nach Mosbach durch den Wald.

Die Einheimischen fragten noch, ob wir den Weg kennen. Klar, wir waren ihn ja schon am Vortag gefahren. Aber weit gefehlt, nachts sieht alles anders aus. Nach etlichen Verhauern kommen wir dann mit einigen Mehrkilometern weit in der Nacht an unserem Bus an. Wir hatten mittlerweile den Platz gewechselt, um mehr Sonne zu haben. Am Waldschwimmbad in Mosbach gibt es einen ausgewiesenen Wohnmobilstellpatz, jedoch ganz ohne Infrastruktur (kleiner Hinweis: Bei den Touristeninfos bekommt man eine gute Faltkarte zu den Stellplätzen und Campingmöglichkeiten im Thüringer Wald. Sie ist zwar nicht ganz vollständig, aber eine gute erste Orientierung). Überall geht es eher sauber zu – anders als wir es z. B. in der Fränkischen am Happurger Stausee während der heißen Wochen diesen Jahres beobachtet haben, wo man nicht ins Gebüsch schauen durfte und auch der Parkplatz schon so vollgemüllt war, dass wir erstmal um uns herum den Unrat eingesammelt und zur nächsten Tonne gebracht haben. Nicht dass es an diesen gemangelt hätte, aber 10 - 20 m in wohl zu weit. Hier sorgt Bürgerengagement dafür, dass z. B. Landgrafen- und Drachenschlucht sauber bleiben. Genug des Ausflugs zum Thema Müll, hier ist auf alle Fälle eher schwäbische Sauberkeit und Kehrwoche angesagt. Man fühlt sich wohl und die Leute sind nett, hilfsbereit und erzählen einem Geschichten über ihre Heimat, Rückblicke auf die Zeit vor, während und nach der DDR. Der Förster nickt uns im Vorbeifahren wohlwollend zu und die Spaziergänger grüßen freundlich oder halten gar für einen kleinen Plausch an. Kommen wir wieder zum Thema Klettern zurück. Da haben sicherlich viele die Frage nach der Absicherung. Ich würde mal sagen, fränkischer Standard und in den neueren Touren sogar besser, solide Bühler und Mini-Bühler, die allerdings oft erst über dem Moos beginnen.


Bühler neben quadratischem Porphyreinschluss am Hangstein.

Aber unter dem Moos lässt sich, wie bereits erwähnt, oft ein Keil in einem Risschen unterbringen. Also alles bestens. Sollte das mal nicht so sein, gibt es deutliche Hinweise im Führer und man kann sich überlegen, wie gut die Nerven gerade sind. Die Klettereien verteilen sich auf mehrere Gebiete, die wir gar nicht alle besuchen konnten. Am Nordrand des Thüringer Waldes, wo sich Klettern, Stadt, Kultur und Mountainbiken gut kombinieren lassen, gibt es mehrere interessante Gebiete mit z. T. unterschiedlichen Gesteinen (Schiefer, Konglomerat, Kalk und mit deutlichem Schwerpunkt Porphyr). Gemeinsam ist fast allen, dass sie sich in Taleinschnitten, Schluchten oder, wie es hier heißt, „in einem Grund“ befinden. Namen wie Lauchagrund, Kanzlersgrund, Moosbachtal, Hansbachtal und Schwarzatal zeugen davon, wobei hier nicht alle Felsen am Fuße des Grundes liegen, sondern auch weiter oben an den Hängen, so dass man je nach Vorliebe und Wetter in der Sonne oder im Schatten klettern kann.

Die Felsen sind oft von Bäumen umgeben, so dass eine gewisse Beschattung zumindest am Wandfuß fast immer gegeben ist (irgendwo muss das Moos ja herkommen). Tiefer im Thüringer Wald liegen die Gebiete zum Teil auf Hügeln (Gehlberg und das Kalk-Klettergebiet Döbritz) oder beginnen gleich am Ortsrand am Anfang des sog. Grundes (Tambach-Dietharz).

Finkenstein

Unser Weg führt uns an den Finkenstein bei Oberschönau. Hier decken wir uns noch bei der Metzgerei Weisheit mit Thüringer Wurstwaren ein. Die Weisheit blieb aber auch nach dem Verzehr aus und so mussten wir wieder Richtung vertikaler Welt. Nach sehr kurzem Zustieg stehen wir vor einer bis zu 30 m hohen Porphyrwand, dem Finkenstein, mit Leisten und Löchern. Hat man die ersten, etwas schrofigen Meter überwunden, warten fantastische Wandklettereien auf einen. Die Absicherung hier ist eher als sportlich zu bezeichnen. Später entdecke ich dann anhand eines deutlich ausgetretenen Wegchens, dass wohl viele von hinten auf die Wand steigen und sich die Seile von oben installieren.


In der Plattenwand des Finkensteins.

12 Apostel

Einen Tag später, ein paar Kilometer weiter, suchen wir die 12 Apostel auf: ein Klettergebiet bestehend aus einzelnen Felsen bis 25 m Höhe auf einem Höhenrücken oberhalb von Oberschönau mit fantastischem Blick. Die Felsqualität des Porphyrs, der aussieht, wie wenn er einmal viele kleine Gasbläschens enthalten hätte, ist zum Teil fantastisch, aber zum Teil auch etwas dubios und manch hohle Schuppe lässt den Adrenalinspiegel steigen. Rausgerissen haben wir nichts, aber einiges nur eher zaghaft belastet. Den ganzen Tag alleine mit den 12 Aposteln und das bei bestem Wetter, so etwas gibt es auch nicht überall. Na ja, eine halbe Stunde Zustieg ist auch nicht jedermanns Sache, wobei dieser sich mit dem Fahrrad sicherlich auf mindestens die Hälfte reduzieren ließe. Unter den Felsen sorgt junger Ebereschenaufwuchs mit beginnender Herbstfärbung und orangenen Beeren sowie ein Heidelbeerteppich für zauberhafte Stimmung. Auch hier sagen wir uns: Wir kommen wieder.


12 Apostel - Sportklettern as its best!

Schmalkalden

Leider kippt das Wetter, so dass wir uns noch mehr auf Sightseeing und Biken verlegen müssen. Das geschichtsträchtige Schmalkalden im Südwesten des Thüringer Waldes ist unser nächstes Ziel. Überreste der Landesgartenschau 2015 auf einem ehemaligen Kranwerksgelände gestalten den Weg vom Bahnhof in die Stadt für mich als Landschaftsarchitekten sehr interessant. Die zahlreichen Fachwerkhäuser und das Schloss mit Garten sind durchaus ein lohnendes Ziel. Unerwartet gekrönt wird unser Aufenthalt von einer kleinen Zwischenmahlzeit im Bahnhof. Eigentlich nur ein Imbiss mit ein paar Tischen, aber der Wirt (ein Koch) hat es sich auf die Fahnen geschrieben, etwas nicht ganz Gewöhnliches anzubieten: alles selber gekocht und gebacken, keine Fertigprodukte, kein Kartoffelsalat aus dem Eimer, keine Geschmacksverstärker und Fertigsoßen, keine Pommes, selbst wenn er dafür auf einige Gäste verzichten muss. Nach einem üppigen Wildburger, einer Portion hausgemachtem Kartoffelsalat und einer Apfelsaftschorle aus eigens gekelterten Äpfeln ziehen wir gesättigt von dannen, aber nicht ohne ein paar Wildschweinknacker als Wegzehrung mitgenommen zu haben.

Bad Liebenstein

Auf dem Weg zurück nach Eisenach besuchen wir noch den Park von Schloss Altenstein bei Bad Liebenstein. Hier gibt es ein paar kleine, verstreute Bouldermöglichkeiten im Park an Zechsteinfelsen, die von der Verwitterung her wie bester fränkischer Lochkalk aussehen und zum Teil sogar regengeschützt sind (beim Geoquest-Verlag gibt es auch den Boulderführer „BlocReich“).

Der riesige, von gewaltigen Laubbäumen bestandene Landschaftspark mit Inszenierungen wie einem chinesischen Teehäuschen auf einem Felsen mit gigantischem Ausblick, einem Blumentopffelsen und kleinen Grotten und Höhlen, ist auch für Familien mit Kindern ein lohnendes Ziel.


Bouldern in Bad Liebenstein. Foto: Archiv Hocke

Von einem Local wussten wir, dass es in der Nähe von Bad Liebenstein einen neu erschlossenen Felsen gibt, den wir aber aufgrund einbrechender Dunkelheit und nicht mehr genauer Erinnerung ob der Lage nicht aufgesucht haben. Weiter geht es auf unserer Tour durch den Thüringer Wald nicht ohne geführte Besichtigung der Wartburg (sehr zu empfehlen). Der Weg dort hinauf führt uns (wie auch anders?) wieder einmal durch schönen Wald, startend im größten Villenviertel Deutschlands. Auch dieses ist sehenswert. Diesmal haben wir ein Thüringer Kletter-Eldorado im Visier.

Tambach-Dietharz

Nach einem kleinen Zwischenstopp am Schloss Tenneberg bei Waltershausen geht es weiter nach Tambach-Dietharz. Gespannt biegen wir dort in den Schmalwassergrund ein und parken direkt neben einer kleinen Kneipp-Anlage. Ein paar Meter zurück in Richtung Tambach-Dietharz liegt rechts des Weges das Objekt der Begierde. Tamtam – ihr wollt es steil, ihr wollt es sausteil, ihr wollt Dach? Da ist es!!!


Großgriffig und athletisch: Klettern im Hülloch.

Das Hülloch, eine gewaltige Grotte aus Porphyr lässt uns staunen. Selbst im Frankenjura gibt es nichts Vergleichbares. Einzig in Sperlonga die „grotta dell aeronauta“ oder Volx in Frankreich fällt mir da als Vergleich ein. Steile Linien, zum Teil mit fix eingehängten Schlingen, durchziehen das Höhlendach. Ein Geflecht von Routen und Variationen, Kombinationen und Bouldersitzstarts überfordert erst mal meine kognitiven Fähigkeiten. Links und rechts der Haupthöhle bieten weniger steile, kurze Touren die Möglichkeit, die Muskeln für das zu erwärmen, was im Zentrum wartet. Gegenüber an der Straße liegt eine kleine, aber feine Wand, die nur mittels einer kleinen Bachdurchquerung erreicht werden kann. Hier ziehen etliche, nicht ganz so steile Routen durch die Wand und versprechen tolle Ausdauerklettereien.

Falkenstein

Nach dem wir uns etwas ausgetobt haben, setzen wir uns noch auf das Bike und statten dem ca. 8 km entfernten Falkenstein einen Besuch ab. Die ersten 4 km auf dem Teerweg sind langweilig, aber dann geht es auf gut befahrbaren Waldwegen weiter zum Falkenstein. Uff, da wird erst mal die Kinnlade Richtung Brust gestreckt, als wir den gigantischen Felsbrocken mit nahezu 100 m Höhe zu Gesicht bekommen.


Die Bergwachthütte mit dem Falkenstein im Hintergrund.

Ein rundum bekletterbarer Fels mit unzähligen Routen in allen Schwierigkeitsgraden. Klar wird uns, dass wir den Weg hierher zum Klettern auch mit dem Fahrrad machen werden, um den Zustieg auf knapp eine halbe Stunde zu verkürzen.


Hossein in Esperanto 9-.

Nun nähert sich die Sonne schon dem Horizont und wir machen uns auf den Rückweg. Und wir finden auch noch ein paar Möglichkeiten, die langweilige Asphaltstrecke im Wald zu umfahren. Wir kommen etwas weiter im Ort heraus und fahren mit kurzer Besichtigung des Monte Arturio (kleines und feines Kletterwändchen direkt beim gleichnamigen Guesthouse) mit dem letzten Licht zu unserem Parkplatz zurück. Wir haben im Thüringer Wald bereits tolle Sachen gesehen und das hier Gebotene ist nochmal ein Sahnehäubchen obendrauf. Auch landschaftlich ist es eine ganz tolle Gegend. Gute Luft, erlebnisreiche Wanderwege und zum Teil bewirtete Hütten, wie die am Falkenstein, versüßen den Aufenthalt. In der Schmalwassertalsperre darf man leider nicht baden, aber der Weg um sie herum ist auch eine schöne, schattige Angelegenheit. Auch hier sagen wir uns: Da müssen wir wiederkommen. Leider neigt sich unser Urlaub dem Ende entgegen und der Wetterbericht sagt Regentage und Gewitter voraus. In der Grotte des Hülllochs gibt es jedoch genug Betätigung, um auch einen Regentag durchzustehen, solange die Müskelchen das nahezu horizontale Spiel an dem roten, ebenso horizontal geschichteten Porhyr mitmachen. Und wenn es nur die Kondition ist, an der es dann irgendwann mangelt, kann man am Grund der Höhle an etlichen Bouldern die Maximalkraft auch noch gut fordern und fördern.


Gute Griffe: Stolvel 9-.

Also für die Athleten unter uns der perfekte Ort für ein vertikales, äh besser horizontales Workout. Crashpad nicht vergessen, da man oft Blöcke und Steine im Rücken hat, die nicht das beste Gelände für eine Landung sind. Bei einem weiteren Tag im Hülloch sind wir mal nicht alleine. Ein paar Locals stoßen zu uns und versorgen uns mit wichtigen Infos über die Touren, die Kombinationen und erklären, dass man den ersten am besten immer mit dem Stick vorklippt, um zu vermeiden, dass man mit einem Stück Stein in der Hand wie ein Maikäfer auf dem Rücken landet. Wir wurden auch darüber aufgeklärt, dass man beim Lesen des Führers auf die Jahreszahlen achten sollte. Durch die Adaption der Vertikalathleten an die Art der Hülllochkletterei sind die neueren Touren deutlich härter bewertet. Heftiger Regen setzt ein, aber die Touren bleiben allesamt trocken. Jedoch lassen die gleichzeitig fallenden Temperaturen die Griffe etwas schmieren. Am besten geht da noch der Sektor Hundehütte, da hier etwas mehr Luft um den Fels spült als in der Haupthöhle.

Da man nach einem Klettertag am Hülloch ganz gut einen Ruhetag vertragen kann, erkunden wir mit dem Bike die Gegend. Ein paar Meter entfernt des Hülllochs befindet sich der Eingang zur Marderschlucht. Links und rechts imposante Felswände, die im Bereich dieses Flächendenkmals nicht beklettert werden dürfen, zieht der gut ausgebaute Waldweg stetig nach oben. Leider ist die Ausschilderung im weiteren Verlauf nicht so gut. Dennoch finden wir auf unserer Tour das Röllchen mit dem gegenüberliegenden Speckröllchen. Im Gegensatz zum Hülloch trifft man hier auf kleingriffige Wand- und Plattenkletterei. Die Wand ist grün, das Sicherungsmaterial zum Teil antiquiert. Hier ist vor dem Klettern erst mal eine Putzaktion angesagt. Hinter dem Röllchen gibt es eine kleine Schlucht mit Wasserfall und Bachlauf, die durchaus einen Abstecher wert ist. Mit gesundem Appetit laufen wir wieder in Tambach-Dietharz ein. Neben dem Eingang des Rewe Marktes steht ein kleines buntes Zelt, das einen Thüringer Bratwurstgrill beheimatet. Ob einem nun Nürnberger, Fränkische oder Thüringer Bratwürste besser schmecken, muss jeder selber entscheiden, aber diese hier treffen absolut unseren Geschmack. Grob, gut gewürzt, nicht zu fettig und ungefähr so groß wie zehn Nürnberger stopfen sie das Loch im Bauch, das wir uns erradelt haben. Alle gesunden Vorräte, wie Möhren, Äpfel, Nüsse … bleiben im Rucksack und werden durch leckere Thüringer ersetzt. Zurück in Richtung Heimat fahren wir über die Rhön und bestaunen noch Basaltsäulen in allen Variationen und Lagen. Aber Klettern ist hier nicht, wenn auch am Teufelskeller alte Rostgurken von vertikaler Aktivität zeugen. Chalkspuren lassen auf gelegentlichen Boulderbetrieb schließen.


Auch der Teufelskeller wird im BlocReich-Führer beschrieben.

Eine abschließende Biketour lässt den Urlaub langsam ausklingen. Hier im bayrischen Teil der Rhön scheint der Biker nicht so willkommen zu sein wie in Thüringen, Trails suchen wir vergebens in dem ansonsten schönen Wald. Und dann wieder heim ins Allgäu – senkrechte Kieseläcker bearbeiten –, aber auch das macht Spaß.

P. S.: Nachdem ich nun schon seit einiger Zeit nicht mehr in Franken, sondern über Zwischenstationen in Bern und dem Schwarzwald im Allgäu gelandet bin, habe ich es endlich geschafft, diesen Artikel für den Steinschlag zu schreiben, der hier nun fast unverändert bei Geoquest erscheint. Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen. Und natürlich immer gut festhalten, gell!  
Rüdiger Penkwitt