Kletterkarabiner – weniger sicher als bisher angenommen?

 

Kletterkarabiner werden laut UIAA-Norm getestet. Beim dabei vorgeschriebenen statischen Zugtest müssen sie 2000 Dekanewton längs, 700 daN quer und 700 daN bei geöffnetem Schnapper halten. Diese Werte entsprechen keinen wirklich empirisch ermittelten Werten, sondern wurden relativ willkürlich festgelegt. 2000 daN zum Beispiel ist eine Größe, die beim Klettern nie vorkommt und deshalb eine Art absolute Obergrenze mit ausreichender Sicherheitsreserve darstellt.


 Karabinerherstellung bei DMM.  Foto aus "Hexen und Exen"

Belastungsversuche an der ETH Zürich zusammen mit dem Hersteller Mammut haben dieses Vertrauen jetzt erschüttert. Sie haben statt der statischen Einspannung des Karabiners in eine Zerreissmaschine dynamische Fallversuche mit Seilen gemacht. Brisant: die dabei gemessenen Werte lagen um bis zu 40% unter den statisch gemessenen! Ein 2300 daN- Karabiner hielt dabei nur noch 1450 daN. Auch dieser geringere Belastungswert wird beim Sportklettern nicht erreicht, für die ohnehin sehr geringen Schnapperoffenfestigkeiten von 700 daN bedeuten sie aber ein erhebliches Gefahrenpotential.

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Ob die Schnapperoffenfestigkeiten von der Festigkeitsreduktion durch dynamische Belastungsweise auch betroffen sind, ließ der Bericht aber noch offen. Sollte das der Fall sein, müsste die Norm für Schnapperoffenfestigkeit dringen hochgesetzt werden! Dass dies technisch kein Problem ist, haben verschiedene Hersteller mit Karabinern von 800 bis 1000 daN Schnapperoffenfestigkeit bereits bewiesen.

Karabinertest bei DMM. Foto aus "Hexen und Exen"