Wilder Westen vertikal

Das Geoquest-Team war unterwegs im weiten Westen der USA, um auf einem Road-Trip die Felsen von Indian Creek bis zu den Big Walls des El Cap zu stuermen. Mit dabei waren Christiane Hupe, Paula Herzog, Tina Sitzmann, Dirk Uhlig und Gerald Krug.

5 Leute brauchen ein grosses Auto - ein Chevrolet Suburban ist genau richtig

Needles

Dirk Uhlig setzt ein erstes Highlight im Extremklassiker Pyromania 5.13b (10-) Needles

Die Needles sind ein geniales Klettergebiet im Süden Californiens mit traumhaften Felsstrukturen. Eine gelbgrüne Flechte verleiht dem Granit eine unverwechselbare Färbung.

Tina Sitzmann stuermt die letzte Seillänge auf einen Needles-Gipfel

High Sierra

Nach dieser Eingewöhnung in den Granit ging es über Bishop weiter nach Norden. Ein halber Tag Bouldern war uns in den berühmten Buttermilks gegönnt, doch die sommerliche Hitze liess keine Hoechstleistungen zu. Deshalb fuehrte uns der Weiterweg in die High Sierra. Dort - in Hoehen zwischen 3000 und 4000 Metern kann man es auch im Sommer gut aushalten.

Es gibt Eis, Baby! Im Hintergrund der Gipfel des Incredible Hulk.

Alex Schmalz-Friedberger hatte uns den Tip zu diesem grossartigen Gipfel gegeben und wir sind ihm überaus dankbar dafür! Traumhafte Risslinien ziehen sich durch die 400 Meter hohe Wand. Eine schöne Vorübung fuer den El Cap!

Detailansicht der Hulk-Wand. Im rechten unteren Bildteil sieht man einen schwarzen Fleck. Das ist ein Ketterer.

Nach einem Einklettertag im Red Dihedral 5.10b (UIAA 7-) ging es in die sagenhafte Positive Vibrations.

450 Meter beste Risskletterei bietet Positive Vibrations 5.11a/b (UIAA 8-) und eine Traumaussicht dazu.

Die Weiterfahrt führte uns zum Lake Tahoe, in dessen Umgebung einge schöne Gebiete zum Finger verdrehen einladen.

Christiane Hupe verpasst in Hunting Gator 5.12b (9-) beim Umlenkerklippen nur ganz knapp den Onsight

Smith Rock

Nach dem Rissklettern sind wir wieder wild auf Sportklettern und fahren weiter nach Norden in die Smith Rocks.

Dort war auch ich auf der Jagd nach Klassikern und hab die überhängende Traumkante Chain Reaction geklettert.

Chain Reaction 5.12c (UIAA 9) - das Ding hatte ich mir diesmal fest vorgenommen!

Paula Herzog geniesst die Luxusgriffe von Five Gallon Buckets  5.8

Yellowstone

Die zunehmende sommerliche Wärme hat uns dann nach Osten getrieben, wo wir nach einem Zwischenstopp in City of Rocks (Energizer 5.12c) auf Tourismusprogramm umgeschalten haben und uns die unzähligen Geysire im Yellowstone National Park angesehen haben.

Yellowstone Geysir in Ruhepostion. Kurz bevor er ausbricht, faengt das Wasser an zu brodeln. Manche Geysire brechen nur ganz selten aus, andere täglich

Vorsicht heiss: der unterirdische Vulkan erhitzt das Wasser auf ueber 100 Grad

Neben den Geysiren sind die zahlreichen Tierbeobachtungsmoeglichkeiten ein hoehepunkt im Yellowstone. Man sollte aber vorsichtig bleiben, wenn die Bueffel wütend werden, ist mit ihnen nicht zu spassen ...

 

Devils Tower

Ein Höhepunkt war die Besteigung des Devils Towers (Wyoming). Diese ehemalige Füllung eines Vulkanschlotes ragt weit sichtbar ueber die Landschaft und verspricht einzigartige Klettereien an Phonolitsaeulen, sowie den Verschneidungen, Rissen und Kaminen zwischen diesen Saeulen. Fast nicht zu glauben: das Gestein wird als Porphyr bezeichnet.

Man muss das meiste selbst absichern, was die Kletterei nicht einfacher macht. Weite Spreizfaehigkeit ist in den bis zu 200 Metern langen Routen von Vorteil. Lokalmatador Frank Sanders hat uns zum Glück wertvolle Tipps gegeben. Dirk gelang mit dem M-Express 5.13a die schwerste Tour am Tower. Der absolute Hoehepunkt war die Besteigung dieses National Monuments nachts bei Vollmond und das hochgeschleppte und wohlverdiente Gipfelbier.

Dirk Uhlig im Klassiker Matador 5.10d (am ehesten mit saechsisch VIIIc zu uebersetzen) an der Westseite des Towers

Begeistert hat mich als Buchautor der lokale Kletterführer des Devils Towers. Wer das abgedrehte Stück mal in die Hände bekommt - unbedingt genau ansehen! Humoristisch wertvoll!

Wer mal reinschauen will: www.extremeangles.com/photos/Devils Tower Climbing.swf

Ein anderes schönes Beispiel besonder eigenwilliger Covergestaltung ist der Führer vom brandneuen Kalkstein-Sportklettergebiet Tensleep (Wyoming).

Rifle

Auch Colorado hat einige schoene Klettergebiete zu bieten. Eines der bekanntesten ist Rifle, wo es USA-untypische Kalksteinsportklettereien in überhaengendem Gelaende gibt.

In einer extrem abdraengenden Route im Grad 5.13b (10-) zeigt Dirk die nötige Ausdauer

Spannend fand ich die Gegebenheiten in diesem Gebiet. Während sonst im Westen das Trad Climbing (mit dem Selbstlegen der Sicherungen) allgemein vorherrschend ist, wird im reinen Sportklettergebiet dann aber auch richtig die Sau rausgelassen. Man kann mit dem Auto zum Einstieg fahren, wer nicht mindestens zwei Hunde (manchmal auch Kinder) mit sich rumschleift, hat hier nix verloren, in mindestens der Hälfte der Touren hängen Fixexen oder Ketten, bis zum zweiten Haken wird das Seil mit einem Clipstick mindestens vorgehängt, so dass bis dahin die Tour Toprope geklettert wird und erst danach Vorsteigen angesagt ist. Hier können sich also selbst die Franken noch etwas abschauen. Schöne neue Welt. Dafür sind Griffe und Tritte extrem abgespeckt, so dass in einigen Touren Schlittschuhe den Kletterschuhen vorzuziehen sind. Rifle war ein super Gebiet - vor 10 Jahren.

Indian Creek

Eine wirklich wichtige und weltweit einmalige Station waren die unglaublich parallelwandigen Sandsteinrisse von Indian Creek in Utah. Hier konnten wir an unseren Risskletterkünsten feilen und bisher vernachlässigte Breiten, wie zum Beispiel schmale Handrisse, üben. Der schmale Handriss ist besonder unangenehm, da man zwar die Finger bis zu den Knöcheln hineinbekommt, der Handballen aber nicht mehr hineinpasst und das Klemmen dadurch besonders schwer und unangenehm macht.

Christiane Hupe sind die meisten Risse Onsight gelungen!

Zum Glueck haben wir vor Ort Alex Schmalz-Friedberger getroffen, einen der besten Risskletterexperten Deutschlands. Er konnte uns wertvolle Tipps geben und durch das Hin-und Herborgen der entpsrechenden Camalotgroessen waren auch längere Sachen drin. Manche Risse verbrauchen 4 oder mehr gleiche Friendgrössen! So viel Material hat kaum ein einzelner Kletterer und werden weltweit wohl wirklich auch nur hier benoetigt. Wir hatten den günstigen Dollarkurs genutzt und einen kmompletten Satz Camalots erworben, aber auch damit hat man von jeder Größe eben nur einen.

Gerald Krug genießt perfekte Klemmer in "Pente" 5.11

Ob Sandstein oder Granit - Klassiker klettern heißt in den USA: alles selbst absichern!

Chris hier im Ultraklassiker "Luxury Liner 5.10c" auch als Supercrack bekannt

Eigentlich ist die Wüste trocken. Wenn's aber doch regnet, dann richtig!

Zion

Vom Indian Creek fuhren wir weiter in den Zion Nationalpark. Dort gibt es bis zu 700 Meter hohe Sandsteinwände. das Gestein ist weich, aber die Risslinien sind supersolide. Gemeinsam mit Dirk als Ropegun ist uns dann die Supertour Moonlight Buttress 5.12d gelungen. Eine Wahnsinnslinie, die ihresgleichen sucht. In meinen Augen die genialste Risslinie der USA.

Dirk Uhlig skurrilerweise im Sonnenlicht im

Moonlight Buttress 300m, 5.12d, Zion-National Park

Damit sind Dirk Uhlig und Gerald Krug nach Alex-Schmalz-Friedberger und Otti die zweite deutsche Seilschaft, die dieses Riss-Testpiece Rotpunkt klettern konnte.

Auf dem Weg nach Süden darf man "Sin City" nicht auslassen. Das amerikanische Symbol für Energie- und Wasserverschwendung ist besonders nachts ein wahrer Augenschmaus.

Las Veagas at night

Viva Las Vegas - ich hab immerhin 2,88 Dollar gezockt!

Tourismus muss auch sein. Hier am tiefsten Punkt Nordamerikas, dem Death Valley (85 Meter unter dem Meeresspiegel)

Yosemite

Dermassen rissspezialisiert war nun Yosemite das naechste logische Ziel. Hier waren

Rostrum NW-Wand 5.11c und Astroman am Washington Column (auch 5.11c) die notwendigen 350 - Meter - Klassiker um ein Ticket fuer die Halfdom - Nordwest - Wand (24 Seillaengen, 600 Meter Hoehe bei 830 Metern Kletterstrecke) zu lösen, das uns gerade so in einem Tag gelang, wenn auch die letzte Seillänge in der Dunkelheit zu absolvieren war.

Gerald Krug freut sich ueber den On sight in der Enduro-Corner - Seillänge 5.11c im Astroman (Washington Column, Yosemite), bei der man 40 Meter hangeln darf

Das Bouldern rund um's Camp 4 ist allein schon ein Grund für's Kommen. Hier Paula Herzog in ihrem Projekt.

Der Waschbär mag Pizza am liebsten

Mit dem echten Bären sollte man keine Späße treiben. Er kam oft nachts auf den Zeltplatz um Essen zu klauen.


Halfdome NW-Wand - unglaublich steil, mächtig lang. Die Route verläuft etwas links des höchsten Punkts und schlenkert mächtig durch die Wand, deshalb werden aus den 600 Metern Hoehe schnell über 800m Kletterstrecke. Die oberen Bänder hielten Schnee und Eis für uns bereit.

Die obligatorische Materialschlacht - das war unser gesamter Fundus. In die Touren haben wir natürlich wesentlich weniger mitgenommen.

Höhepunkt sollte natuerlich die gewaltige 900-Meter-Wand des El Capitan sein! Das würden wir nicht in einem Tag schaffen, zumal die Tage Ende Oktober nun schon mächtig kurz waren (gegen 18 Uhr wird es dunkel).  So hatten wir uns eine drei-Tage-Strategie ueberlegt. An einem ersten Tag kletterten wir das untere Wanddrittel. Dieser Teil wird als Freeblast bezeichnet, ist 11 Seillaengen lang und wird durch mittelschwere Risse und schwierigere Wand-Reibungspassagen gekennzeichnet. Schwierigkeit ist 5.11c. Dieser Routenteil gelang sehr entspannt, die niedrigeren Temperaturen liessen die Reibungscruxe erträglich klettern. Von Ende dieser seperaten Route  seilten wir zum Wandfuss ab, machten einen Ruhetag und stiegen über Fixxeile wieder auf.

Der El Cap. Links der Mittellinie ziehen die klassische Salathe und die freie Variante "Freerider 5.12d" durch den höchsten Teil der Wand

Mit dabei diesmal:ein Haulbag für die Uebernachtung in der Wand. Dieser musste die kommenden 9 SL mit hinaufgezerrt werden. Unverzichtbare Hilfe war diesmal Chris, die mit uns in der Wand übernachtete und den Riesensack am Folgetag mit nach unten nahm.

Am Morgen nach dem Biwak - wenig erholt nach einer Nacht auf abschüssigen Bändern

Am dritten Tag war der Durchstoss über die letzten 15 SL zum Gipfel vorgesehen. Das gelang auch, leider mussten 3 12er Seillaengen teilweise in künstlicher Kletterei (A0) überwunden werden, da wir mordsmässig erschoepft waren, ein Unwetter aufzog und die Tageszeit zu Ende ging. Trotyzdem war es ein gewaltiges Erlebnis, diese Wand durchstiegen zu haben!

Der Tiefblick ist gigantisch!

Freerider: der unter Teil geht nahe der Nose hinauf, bevor die Linie zu der großen"Herz"-Struktur nach links quert. Von dort geht es nach einigen "schrägen" längen ziemlich gerade und steil hinauf.

Nebenbei hat der Herr Uhlig auch noch die Grand Illusion 5.13 in der Nähe des Lake Tahoe abgezogen. Respekt!

Zum Abschluss und als Erholung nach den vielen langen Wänden sollte das Wüstenklettergebiet Red Rocks unser Abschlussort sein. Dort gibt es den unglaublich roten Wüstensandstein mit Sportklettern pur aber auch Mehrseillängenrouten bis zu 25 Seillängen.

Jetzt wird's steil: Gerald in "California 12a", die zwar so heißt, aber 12c schwer ist.

Vielen Dank an dieser Stelle an Robert Fiedler, der in der Zwischenzeit im Verlag alles am Laufen gehalten hat und fleissig Bücher versendete! Ohne ihn wäre diese Reise nicht möglich gewesen.

Fazit: Drei Monate sind eine lange Zeit und die Lieben daheim vermisst man schon sehr. Aber wir waren auch der Ökobilanz verpflichtet, und die sagt, wenn schon Fliegen, dann für lange Zeit. Und Amerika ist immer eine Reise wert - egal, ob man sich mit einigen großen Klassikern Kletterträume erfüllt oder einfach nur durch die Nationalparke wandert. Eins ist sicher: wir kommen wieder!

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