Wie verhalte ich mich beim Sturz?

Die richtige Körperhaltung beim Sportklettersturz ist immer wieder Gegenstand heftigster Kontroversen. Hieß es bei Pit Schubert zunächst noch, nur ein Brustgurt könnte das Abkippen nach hinten verhindern, lehrte die Sportkletterpraxis über Jahre (und inzwischen Jahrzehnte), dass es gut auch ohne geht. Hieß es am Anfang, man solle sich von der Wand wegdrücken, damit man an den Felsstrukturen vorbeifallen kann, hat sich draußen am Fels gezeigt, dass betontes vom-fels-Wegdrücken zum entsprechend harten Wiederanprallen führt. Zahlreiche Knöchelfrakturen haben diesen Lernprozess begleitet.


Hand ran oder weg?  Foto aus: Kinderkopf und Affenfaust

Das inzwischen Normalität gewordene viele Stürzen führt aber immer wieder auch zu Sonderfällen -  eine Hand wird im Seil eingequetscht oder ein Finger gar abgeschert. Aus diesem Grund hat der bekannte Kletterarzt Dr. Volker Schöffel dazu geraten, die Hände in die Luft zu reissen und ganz auf die Stabilisierung zu verzichten. Doch was mache ich mit meinem Greifreflex? Kann der zu falschen Zielen geleitet werden? Was kann im Falle eines Überschlags in der Luft passieren? Welche weiteren Gefahren lauern, verrät uns Walter Britschgi, Sicherheitsexperte und Vorreiter in Sachen "Gaswerkmethode" (erfunden von Matthias Bühler und Roland Seiz).

 

Sturz- und Sicherungstraining

von Walter Britschgi

Sprung ins Seil mit freien Händen?

In den letzten Monaten wurde in mehreren Fachzeitschriften das Sturztraining
zelebriert. Dabei wurde das Springen mit freien Händen in den Vordergrund
gestellt, weil sich Unfälle mit eingeklemmten Fingern und verbrannten Händen
und Arme gehäuft haben sollen.
Als Gegenmassnahme mag das freihändige “ins Seil springen“, auf die
Schnelle betrachtet, einleuchtend sein. Dies birgt aber folgende Gefahr:
Beim Stürzen mit freien Händen ist ein GAU möglich.
Die Möglichkeit besteht, dass der Kletterer wegen eines Griffausbruchs stürzt,
in Rücklage gerät und dabei in horizontaler Lage hart gestoppt wird. Würden
dabei die Hände frei, seitlich durch die Luft baumeln, könnte die damit
verbundene hohe Belastung auf den Rücken in einem GAU enden, das heisst,
im schlimmsten Falle tödliche Verletzungen zur Folge haben.
Ob in einer Kletterhalle dieses Szenario überhaupt möglich wäre, ist schwer
einzuschätzen.

WEITERLESEN UNTEN IM pdf!

Außerdem findet ihr darin ein exzellentes Sturztrainingskonzept zum Nachvollziehen von Rachel Kernen.

Wer mehr von Walter Britschgis Sicherheitsforschung erfahren möchte (die sich nicht immer 1 zu 1 mit der DAV-Lehrmeinung deckt, wird auf www.climbingworld.ch fündig.


Vorstiegssturz nach einem Dynamo beim Kletterfestival in San Vito, Sizilien  Foto: open-air-image.de

Hier die Beschreibung eines Kopfüber-Sturzes von Kelly Cordes beim stark überhängenden Sportklettern: www.trango.com

Auch dem bekannten fränkischen Kletterer Dicky Korb ist nach einem Griffausbruch ein Überschlag-Sturz mit Verletzungsfolge zugestoßen. Er hätte aber nach eigener Aussage im Fallen gar nicht mehr die Gelegenheit gehabt, in's Seil zu greifen. Möglicherweise gilt das für die meisten Überschlagsstürze.

Wer Erfahrungen und eigene Erkenntnisse beisteuern möchte: schickt sie an GEOQUEST und wir stellen sie hier rein!
Ein breiter Erfahrungsaustausch wäre wichtig, um zu praktikablen Handlungsempfehlungen zu kommen - sei es mit oder ohne Händen am Seil (oder je-nachdem).

Infos zum HerunterladenGröße
sturztraining.pdf3.31 MB