Hampi in Gefahr

Seit einiger Zeit arbeiten wir am Boulderführer für Hampi. Wir haben so viele nette Leute dort getroffen, die unglaubliche Gastfreundschaft der Inder erlebt, uns wie zu Hause gefühlt und doch jeden Tag Neues entdeckt. Jetzt ist dieses Paradies in Gefahr.

Bewohner von Hampi vor dem Virupaksha Tempel

Seit 2011 versucht die Regierung die Menschen aus Hampi zu vertreiben. Warum? Die Beweggründe sind in einem von Korruption durchzogenen Verwaltungsapparat oft schwer zu durchschauen. Da geht es um Macht, Grundstücke und vieles mehr. Die offizielle Begründung lautet, die UNESCO fordere die Zerstörung der Häuser der ansässigen Bevölkerung und deren Vertreibung. Das können wir kaum glauben.

Was ist der Hintergrund? Entlang von Hampi Bazaar, einer der historischen Marktachsen des alten Hindukönigreiches haben sich im Verlauf der letzten Jahrzehnte Familien angesiedelt, die dort vom Tourismus leben. Sie verkaufen Obst, Sonnenhüte, vermieten Fahrräder und Mopeds, bieten Snacks an und vieles mehr. Die Häuser in unmittelbarer Nähe zu den Ruinen sind den Verantwortlichen ein Dorn im Auge. Das alte Hampi ist dadurch die ganze Zeit hindurch nicht nur eine Ruinenstätte, sondern ein lebendiger Platz mit darin wohnenden Menschen geblieben. Symbol dafür ist der Virupaksha-Tempel, der größte Tempel und Wahrzeichen von Hampi, der keine Ruine und kein totes Monument sondern eine genutzte und viel aufgesuchte heilige Stätte ist. Unweit ist der Übergang nach Hampi Island, mit der Fähre über den Fluss. Zehntausende Touristen kommen jedes Jahr hierher und genießen das schöne Gebiet mit historischen Bauten und lebenden Menschen. Letztere sollen nun ausgesperrt werden, dagegen muss man sich einsetzen.

Die Guest Houses von Hampi gewährleisten preisgünstige Unterkunft für die Besucher und gestatten den ansässigen Familien ein stabiles Einkommen

Detail am Rande: einige der Familien sind hierher gekommen, nachdem in den 60er Jahren ihr ursprüngliches Heim beim Bau des oberhalb gelegenen Stausees schon einmal zerstört wurde. Natürlich ohne Entschädigung. Jetzt droht ihnen dieses Schicksal ein zweites Mal. Wie menschenverachtend können Verwaltungen sein? Kann die UNESCO so etwas gut heißen? Zumal es im Gebiet  noch etwa 200 teils verschüttete, teils zerstörte Tempel gibt, die überhaupt nicht gesichert sind und bei denen die Arbeitsleistung der zerstörenden Kräfte deutlich sinnvoller eingesetzt werden könnten.

Überall findet man verschüttete, teilweise oder vollständig zerstörte Tempel, bei denen Sicherungsarbeiten dringend nötig wären.

Hier standen einst die Häuser der Bewohner von Hampi. Bei der gewaltsamen Beräumung wurde auch die historische Bausubstanz der Tempel stark beschädigt.

Hier gibt es ein kurzes Video, welches die Situation vor Ort schildert.

Am 27.2.2013 rollten die Bulldozer nun schon zum dritten Mal und zerstörten die Häuser der Menschen, die nur eines wollen: in Sicherheit leben und arbeiten!