Grönland erleben

Naturerlebnis Südgrönland
Trekking auf den Spuren der Wikinger

von Ingo Roeger

Es ist kurz vor 19:00 Uhr, als wir den Gipfel des Illerfissalik erreichen. Seit über neun Stunden sind wir schon unterwegs und haben uns weglos über Geröll und Schnee hier heraufgekämpft. Mit jedem Höhenmeter wurde der Blick freier und offenbarte uns Schritt für Schritt ein Stück mehr von diesem atemberaubenden Panorama in der glasklaren Luft des Nordens. Jetzt stehen wir bei Windstille und blauem Himmel auf dem knapp 1800 Meter hohen Berg und genießen die majestätische Ruhe und die einzigartige Aussicht:

Direkt unter uns liegt ein mit zahllosen Eisbergen gefüllter Nebenarm des Eriksfjords. Ein für europäische Verhältnisse riesiger Gletscherstrom, der vom über 2000 Meter hohen, den ganzen nördlichen Horizont beherrschenden Inlandeis zwischen dunklen Felswänden hindurch bis ins Meer reicht, schickt immer neue, phantasievoll geformte Eisgebilde auf die Reise. Beim Blick nach Süden dominiert der von zwei Halbinseln begrenzte Eriksfjord das Landschaftsbild.

Die westliche und kleinere der beiden, die Narsaqhalbinsel, kann in einer drei bis fünftägigen Trekkingtour durchwandert werden. Der Weg führt von der kleinen Schafzüchtersiedlung Qassiarsuk am Fuße der Halbinsel nach Narsaq, einer 2000 Einwohner zählenden Stadt an deren Südspitze. Übernachtet wird dabei im Zelt oder in kleinen Schäferhütten.
Qassiarsuk ist mit seinen reichlich einhundert Einwohnern ein geschichtsträchtiger Ort. Im Jahre 985 ließ sich hier der von Island verbannte Wikinger Erik der Rote als erster Europäer nieder und gründete den Ort Brattahlid. Von seiner Frau Thjodhild zum christlichen Glauben bekehrt, errichtete Erik hier die erste Kirche Grönlands. Sieht man heute die sommerlichen Wiesen in dieser Region, kann man verstehen, warum er seine neue Heimat Grönland - „Grünes Land“ nannte. Vor reichlich 1000 Jahren brach Eriks Sohn Leif Erikson zu einer historischen Reise auf: Er segelte weiter in unbekannte Gewässer nach Westen und betrat als erster Europäer in Neufundland amerikanischen Boden. Seit einigen Jahren lädt das rekonstruierte Anwesen von Erik zur Besichtigung ein und ein Denkmal erinnert an diese bedeutende Reise.
Im Osten wird der Eriksfjord durch die Qaqortoqhalbinsel begrenzt, welche größer ist und stärker gegliedert als ihre westliche Nachbarin. Am Beginn dieser Halbinsel liegt die Ortschaft Igaliku. Das gute Dutzend farbenfroher Häuser liegt verstreut inmitten saftiger Wiesen am Ende des gleichnamigen Fjordes. Auch Igaliku hat eine lange Geschichte. Einige Ruinen erinnern daran, dass sich hier vor fast 1000 Jahren der einzige Bischofssitz Grönlands befand. Bemerkenswert ist, dass auch die Päpste in Rom über diesen abgelegenen Ort gut informiert waren und mit großer Wahrscheinlichkeit von Leif Eriksons Reise zum nordamerikanischen Kontinent wussten. Von diesem Wissen profitierte wohl auch noch Kolumbus, als er seine historische Reise antrat, auch wenn zu diesem Zeitpunkt keine Wikinger mehr in Grönland lebten.


 
Narsarsuaq, einer der beiden internationalen Flughäfen Grönlands, die direkt von Europa aus angeflogen werden, befindet sich in einem weiten Talkessel im hinteren Teil des Eriksfjord. Eine regionale Personenfähre verbindet von hier aus die wichtigsten Orte Südgrönlands miteinander. Weiter entfernte Siedlungen erreicht man durch einen der zahlreichen Inlandflüge mit dem Helikopter oder dem Kleinflugzeug.

Um nach Igaliku zu gelangen, ist eine anderthalbstündige Fährpassage erforderlich. Schon auf dieser kurzen Fahrt hatten wir die Gelegenheit, fantastisch geformte Eisberge aus nächster Nähe zu bewundern. Da Igaliku nicht am Eriksfjord liegt, muss man im winzigen Hafen von Itilleq das Schiff verlassen und die hier etwa vier Kilometer breite Halbinsel überqueren. Lässt man sich nicht vom Herbergsvater der Jugendherberge mit dem Jeep abholen, so ist ein einstündiger Fußmarsch einzuplanen. Die Herberge ist abgesehen von einigen kleinen Ferienhäusern zugleich die einzige Gästeunterkunft in Igaliku. Neben der sehr langen und schwierigen Bergtour auf den Illerfissalik, die man nur bei ausgezeichnetem Wetter in Angriff nehmen sollte, gibt es eine Handvoll lohnender Ziele, die in der Umgebung von Igaliku zum Wandern einladen. Südlich des Ortes bietet sich der 823 Meter hohe Nuuluk zur Besteigung an. Bei ausreichender Kondition kann man diesen Gipfel in eine größere Rundwanderung einbeziehen, deren zweites lohnendes Ziel ein mächtiger Wasserfall oberhalb des Eriksfjordes ist. Nördlich der Ortschaft lohnt der Besuch eines stillen Sees, der in einem unerwartet vegetationsreichen Talkessel liegt. Oberhalb davon kann man ein etwa 300 Meter hoch gelegenes Felsplateau besuchen, welches schöne Ausblicke auf beide Fjorde und das nahe Bergmassiv des Illerfissalik bietet. Bei Nebel ist hier nicht nur ein gutes Orientierungsvermögen erforderlich, sondern der sichere Umgang mit Kompass und Karte unerlässlich. Im Gegensatz zu den Alpen gibt es praktisch nirgends markierte und befestigte Wanderwege.

Für uns ist Igaliku der Ausgangspunkt einer siebentägigen Trekkingtour, die über die nahezu unbewohnte Qaqortoqhalbinsel auf einer Länge von etwa 70 Kilometern in die namensgebende Stadt an deren Südspitze führt. Vor dem Start füllen wir in einem kleinen Geschäft in Igaliku unsere Essenvorräte für diese anstrengende Tour auf. Obwohl diese Route relativ häufig begangen wird, gibt es nur gelegentlich Steinmänner als Markierungen und kaum einen erkennbaren Weg. Für diese Wanderung bieten sich verschiedene, gleichermaßen attraktive Varianten an. An den ersten drei Tagen bestimmt ein seenreiches, bis 800 Meter hohes Bergland unseren Weg. Hier vergeht kaum ein Augenblick, in dem wir nicht von hunderten kleiner, lästiger Mücken umschwirrt werden. So erleben wir die herrliche Landschaft meist nur durch die feine Gaze unserer Moskitonetze – und erinnern so ständig an einen Imkerausflug. In der Nähe des Igalikufjordes rasten wir bei einer größeren Ansammlung von recht gut erhaltenen Wikingerruinen. Fischreichen Flüssen verdanken wir regelmäßig die Aufbesserung unserer Mahlzeiten durch frische Forellen. Aber auch Pilze, Muscheln und verschiedene Beeren bereichern unseren Speiseplan.

Nach einer anspruchsvollen Flussdurchquerung - Brücken sucht man hier vergebens - wandelt sich das Landschaftsbild: Berge von über 1000 Metern Höhe und tief eingeschnittene Täler lassen die Umgebung alpiner erscheinen. Markantester und höchster Berg der Halbinsel ist der Redekammen (1205m), was soviel wie „Frisierkamm“ bedeutet. Dabei handelt es sich um einen mehrere Kilometer langen, wild gezackten Felsgrat, dessen Besteigung nur geübten Kletterern vorbehalten bleibt. Einzig der etwas niedrigere Ostgipfel kann, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit vorausgesetzt, ohne Kletterei erreicht werden. Belohnt wird der Aufstieg mit einem Blick aus der Vogelperspektive auf Inseln, Fjorde und träge dahintreibende Eiskolosse.

Unweit des Redekammens, an der Küste des Igalikufjordes, befindet sich die Ruine der Kirche von Hvalsø. Dieses eindrucksvolle Zeugnis der Vergangenheit - sie gilt als die besterhaltenste Wikingerruine Grönlands - sollte man sich auf jeden Fall anschauen. Wer diese Ruine auch ohne mehrtägige Wanderung besichtigen will, kann in Qaqortoq einen Bootsausflug hierher buchen.
Auf dem Weiterweg nach Süden wird die Landschaft zunehmend flacher. Wir wandern an einer schärenartigen Küste entlang. Während wir über saftige, blumenübersäte Wiesen laufen, beobachten wir nur wenige Hundert Meter vom Ufer entfernt fußballfeldgroße Eisberge, die bis zu 30 Meter aus dem Wasser ragen.

Am siebenten Tag erreichen wir Qaqortoq und damit die Südspitze der Halbinsel. Mit 3500 Einwohnern ist Qaqortoq die größte Stadt Südgrönlands und eine der schönsten dazu. Der Hafen mit seinen gut restaurierten Fachwerkhäusern aus der dänischen Kolonialzeit liegt an einer geschützten Bucht. Hier lädt auch ein sehenswertes Heimatmuseum zum Besuch ein. Gleich daneben kann man den einzigen Springbrunnen der gesamten Insel bewundern. Rund um den Hafen sind die Hänge mit den kleinen, farbenfrohen Holzhäusern bebaut, die für ganz Grönland typisch sind. Nur wenige hundert Meter vom Meer entfernt wird die Stadt durch den Tasersuaq, einen großen Binnensee begrenzt. Für uns ist dieser Ort ideal, um uns von der anstrengenden Wanderwoche auszuruhen. Dabei stehen uns die Internate der hier ansässigen Hochschule, die im Sommer als Jugendherberge genutzt werden, als komfortable Übernachtungsmöglich¬keiten zur Verfügung.

Unser nächstes Ziel ist Narsaq. Dazu benutzen wir erneut die Regionalfähre. Dass sich durchaus kurzfristig die Fahrpläne ändern können, wird uns hier beinahe zum Verhängnis: Wir sitzen gerade beim ausgiebigen Früh¬stück, als wir von einem anderen Rucksacktouristen erfahren, dass die Fähre heute eine Stunde früher abfährt. Was folgt, ist eine lähmende Schrecksekunde - dann bricht unglaubliche Hektik aus. Uns bleiben nur 25 Minuten bis zum Ablegen der Fähre. Normalerweise dauert allein der Fußweg zum Hafen schon eine viertel Stunde. Irgendwie schaffen wir es in dieser kurzen Zeit, das angefangene Frühstück in den Rucksäcken zu verstauen, abzuwaschen sowie die Zimmer zu kehren. Nach einem sportlichen Sprint durch die frische Morgenluft besteigen wir keuchend als letzte Fahrgäste drei Minuten vor dem Auslaufen die Fähre. Um ein Haar wären unsere Pläne völlig über den Haufen geworfen worden, da die nächste Überfahrt erst in drei Tagen ansteht.
In Narsaq übernachten wir einmal mehr in der Jugendherberge. Die Stadt bietet sich als Ausgangspunkt für eine Reihe lohnender Tages¬wanderungen an. Die längste und konditionell anspruchsvollste führt auf einen der höchsten Punkte der Halbinsel. Neben der freien Aussicht auf Gletscher und Eisberge ist der Ilimmaasaq (1390 m) aber vor allem berühmt für die seltenen Minerale, die an seinen Bergflanken in großer Zahl zu finden sind.
 
Der Hausberg von Narsaq, der Qaqqarsuaq, ragt unmittelbar hinter den letzten Häusern der Stadt knapp 700 Meter auf. Eine Besteigung lohnt besonders in den Abendstunden, wenn die tiefstehende Sonne die Häuser und Eisberge an seinem Fuß in ein goldenes Licht taucht. Trotz der Nähe zur Stadt erfolgt die Besteigung weglos und Vorsicht ist bei steileren Wiesen- und Geröllhängen angebracht.
Die schönste Wanderung, für die mindestens ein halber Tag einzuplanen ist, führt allerdings immer an der Küste entlang zum Südwestzipfel der Halbinsel. Hier besichtigen wir einsame Wasserfälle und einige Ruinen der Inuit und der Wikinger. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Orientierungssinn sind bei der Suche nach einem gangbaren Weg entlang der Steilküste allerdings unabdingbar - was aber mit der Beobachtung der aberwitzig geformtesten Eisgebilde aus nächster Nähe belohnt wird. Stundenlang möchte man zuschauen, wenn sich hausgroße, blauschimmernde Eisberge wie in Zeitlupe um ihre eigene Achse drehen oder ohne die geringste Vorwarnung unter dumpfen Getöse auseinander brechen und dabei dem Betrachter völlig neue Formen und Farbnuancen offenbaren. Kleinere, bizarr geformte Eisskulpturen, die kaum mehr als mannshoch sind, hat die Flut direkt bis an den Strand getragen. Aus nächster Nähe hören wir, wie das Eis permanent knistert, wenn die warmen Sonnenstrahlen auf die frostigen Gebilde treffen.

Nach einer weiteren Fährpassage erreichen wir das letzte Ziel unserer Reise. Unmittelbar hinter dem Flughafen von Narsarsuaq erstreckt sich auf einer Länge von fast 30 Kilometern in Nord-Süd-Richtung das sogenannte Mellemlandet - ein über 1000 Meter hoher Gebirgszug, der gleich einem Schiffsbug in der Strömung an seiner Nordspitze einen mehrere Kilometer breiten Eisstrom in zwei Gletscherzungen zerteilt, von denen die östliche bis in den Eriksfjord reicht und dort einen eindrucksvollen Gletscherbruch bildet. Wir schlagen unsere Zelte zwei Wegstunden hinter Narsarsuaq an einem kleinen See mit Blick auf die westliche Gletscherzunge auf.

Von diesem idyllisch gelegenen Lager brechen wir zum Abschluss unserer Reise zu zwei ausdauernden und einsamen Wanderungen auf, die uns neben mannigfaltigen Landschaftseindrücken nochmals einige Aufregung bescheren:
So wollen wir uns unbedingt den ins Meer kalbenden Gletscher am Fuße des Mellemlandets aus der Nähe anschauen. Zieht man nochmals den Vergleich dieses Gebirgszuges mit einem Schiff zu Rate, so bedeutet diese Tagestour quasi ein Wechsel von der Backbord- zur Steuerbordseite – nur dass dazwischen ein Auf- und Abstieg von etwa 800 Höhenmetern liegt.
Morgens ist das Wetter noch schön. Am höchsten Punkt der Tour bleibt einer unserer Mitstreiter zurück – sein Knie macht ihm leichte Beschwerden. So hält er es für schlauer, sich hier auf der einladenden Wiese auszuruhen und die Aussicht zu genießen, bis wir zurück sind. Wir anderen erreichen bald den Gletscherbruch, in dem es immer wieder bedrohlich kracht, ohne dass wir in dem Gewirr aus filigranen Nadeln und hochhausähnlichen Eisblöcken irgend eine Bewegung entdecken können. Wir sind so fasziniert, dass wir nicht sofort bemerken, dass sich das Wetter verschlechtert und Nieselregen einsetzt. Die von Gletschern glattgeschliffenen Felsplatten, von denen wir den Eisbruch bestaunen, werden auf einmal gefährlich rutschig. Der Rückzug in sicheres Gelände gleicht einem Tanz auf rohen Eiern. Auf dem Weiterweg setzt in den höheren Lagen dichter Nebel ein. Vergeblich suchen wir unseren zurück gelassenen Kompagnon fast eine Stunde lang, laufen zum Teil im Kreis und müssen aufpassen, dass wir dabei nicht die Orientierung verlieren. Wir reden uns ein, dass er vor dem schlechten Wetter geflüchtet und längst zurück zu den Zelten gegangen ist. Dort angekommen, müssen wir entsetzt feststellen, dass er nicht da ist. Ist ihm etwas Ernsthaftes zugestoßen? Zwei von uns wollen, ausgestattet mit dem Notwendigsten, sofort zur Suche aufbrechen, als der Vermisste plötzlich wohlbehalten hinter einer Bergkuppe auftaucht:
Er war zunächst an seinem Platz geblieben. Dort wartete er wie vereinbart auf unsere Rückkehr. Wir haben ihn nur knapp verfehlt – durch den Nebel konnte er sogar unsere Trillerpfeifen wahrnehmen. Seine Antwort blieb von uns ungehört. Als wieder Ruhe eingekehrt war und die Dämmerung einsetzte, hat er mit Hilfe seines Kompasses den Rückweg angetreten.

Die letzte Tageswanderung entpuppt sich als die längste unserer Reise. Siebzehn weglose Kilometer ist das Ziel, der „Bug“ des Mellemlandets, von unserem Lagerplatz entfernt. Die Tour bietet nochmals das ganze Repertoire grönlandischer Trekkingträume: milde Temperaturen und eine fantastische Fernsicht, namenlose Bergseen und Wiesen voller Birkenpilze sowie Wasserfälle in einem einsamen alpinen Ambiente. Hier bekommen wir sogar den einzigen Polarfuchs der gesamten Tour zu Gesicht. Atemlos erreichen wir die Nordspitze und fühlen uns für einige Augenblicke wie die Gallionsfigur dieses überdimensionalen steinernen Schiffsrumpfes: Hunderte Meter tiefer teilt sich direkt vor uns ein gigantischer Eisstrom in die beiden das Mellemlandet einschließenden Gletscherarme.
Hier, am abgelegensten Ort unserer Reise saugen wir ein letztes Mal die Stille in uns auf und begeben uns dann uns auf den langen und ermüdenden Rückweg. Mit jedem Schritt nähern wir uns nicht nur unserem Zeltlager, sondern auch dem Trubel des mitteleuropäischen Alltags, der uns schon in wenigen Tagen wieder fest im Griff haben wird.


 
Allgemeine Informationen
Internet:
Ausführliche Informationen über das Reiseziel Grönland findet man im Netz unter
www.greenland-guide.gl und greenland.com.

Anreise:
Der internationale Flughafen im Süden Grönlands ist Narsarsuaq. Für die hier beschriebenen Touren ist dies der perfekte Ausgangspunkt. Direktflüge von Europa erfolgen ausschließlich mit Air Greenland/SAS zweimal wöchentlich (Di/Do) ab Kopenhagen. Preise ab ca. 1000 Euro.
Die Anreise von Deutschland nach Kopenhagen kann mit der Bahn oder mit einem Zubringerflug (z. B. mit Air Berlin) erfolgen.
Von Narsarsuaq aus können alle Ausgangs- und Endpunkte der hier beschriebenen Wanderrouten mit Regionalfähren und kurzen Inlandflügen bequem erreicht werden.
Für all jene, die ihren Grönlandaufenthalt mit einem Islandreise kombinieren möchten, sind die Direktflüge zwischen Reykjavik und Narsarsuaq interessant.

Reisezeit:
Die beste Zeit für Trekkingtouren im Süden Grönlands sind die Sommermonate von Mitte Juni bis Mitte August, aber bereits ab Ende Mai und bis in den September hinein kann man gute Bedingungen vorfinden. Wer mit Schnee¬schuhen oder auf Tourenski seine Unternehmungen plant, kann bis in das Frühjahr hinein mit guten Verhältnissen rechnen. Zum Jahreswechsel bestehen die besten Chancen, Polarlichter zu beobachten. Für Trekkingtouren ist das dann aber naturgemäß die ungünstigste Zeit.

Angelerlaubnis:
Um unterwegs nicht nur von Fertignahrung leben zu müssen, kann man auch auf das reichhaltige Angebot der grönlandischen Natur zurückgreifen. Neben Muscheln, Beeren und Pilzen ist besonders frisch gefangener Fisch das beste Mittel gegen einen knurrenden Magen. Fischreiche Bäche und Seen gibt es nahezu überall und meist ist auch die nächste Fjordküste nicht weit. Die Angel¬erlaubnis kostet für eine Woche 200 Dänische Kronen (ca. 27 Euro). Man erhält sie in Narsarsuaq im Blue Ice Café oder direkt am Flughafen. In Narsaq und in Qaqortoq muss man zu diesem Zweck in der Post oder im Tourist Office vorbeischauen. Siehe auch: http://www.greenland.com/en/media/377898/fishing%20license%20greenland.pdf

Literatur:
Zum Thema Grönland gibt es nur wenig deutschsprachige Literatur. Für Trekkingtouren nach wie vor die erste Wahl ist „Grönland mit Baffin Island“ von Ingrid Ferschoth-Vogeley und Michael Vogeley. Es erschien bereits 1996 beim Bruckmann-Verlag in der „Abenteuer Trekking“-Reihe. U.a. bei www.amazon.de ist es second hand problemlos zu bekommen. Für Liebhaber der englischsprachigen Lonely Planet-Reiseführer ist „Lonely Planet Greenland & The Arctic“ zu empfehlen (derzeit ebenfalls nur gebraucht erhältlich).
 
Unterkunft:
Hotels sind in Grönland dünn gesät und konzentrieren sich auf die wenigen größeren Orte. Dort ist das erste Haus am Platze meistens auch das einzige. Entsprechend hoch ist das Preisniveau. Für eine Nacht im Doppelzimmer darf man ab 130 Euro einplanen. Deutlich einfacher, aber auch preiswerter übernachtet man in den Seemannsheimen, wo die Nacht im Doppelzimmer schon ab 90 Euro, die Nacht im Einzelzimmer sogar schon ab 50 Euro zu bekommen ist.
Die meisten Trekkingreisenden wird man allerdings nicht zuletzt wegen des günstigen Preises in den Jugendherbergen treffen, die in jedem touristisch bedeutenden Ort bereits ab 20 Euro pro Person die Nächtigung ermöglichen.

Camping:
Gelegentlich gibt es in den Ortschaften einfache und preiswerte Campingplätze. In Narsarsuaq beispielsweise kann man neben der Jugendherberge zelten und dabei deren Annehmlichkeiten genießen.
Unterwegs auf den Trekkingtouren ist das Zelt natürlich die erste und in der Regel auch die einzige Wahl. Einen geeigneten Platz dafür findet man fast überall ohne größere Suche. Wichtig ist dabei, dass ausreichend Abstand zu Ortschaften und den oft sehr einsam gelegenen Schaffarmen eingehalten wird. Auf jeden Fall sollte man darauf achten, landwirtschaftlich genutzte Gebiete nicht zu zerstören oder zu beeinträchtigen. In diesem rauen Klima ist es für die Menschen ziemlich mühsam, das karge Land urbar zu machen.

Wanderkarten:
Bei Saga Maps (www.sagamaps.com) gibt es eine Vielzahl verschiedener Karten von Grönland, die aber zumeist aufgrund des groben Maßstabes für Trekking¬touren ungeeignet sind. Für die allgemeine Reiseplanung und als plakatives Souvenir sind sie aber dennoch interessant.
Daneben gibt es eine Serie von 17 Wanderkarten im Maßstab 1:100.000 bzw. 1:75.000, welche die für Trekkingtouristen interessantesten Regionen Grönlands abdeckt. Für die Routen im Bereich des Eriksfjords sind dabei die Karten „1 Narsarsuaq“, „2 Narsaq“ und „3 Qaqortoq“ relevant. Man kann diese Karten beispielsweise im Internet unter www.geobuchhandlung.de für 18,00 Euro pro Stück bestellen.

Mückenschutz:
An warmen Sommertagen muss besonders an windgeschützten Plätzen abseits der Küsten mit einer teilweise extremen Mückeninvasion gerechnet werden. Chemische Keulen (Autan) oder natürliche Mittel (Zedan) können nur bedingt Abhilfe schaffen. Wirklich erträglich wird die Situation meist nur, wenn man Kopf und Gesicht in solchen Situationen mit einem Moskitonetz schützen kann. Besonders praktisch sind Dachmützen mit integriertem Moskitonetz. Diese schützen nebenbei noch vor der Sonne und man hat im Bedarfsfall das Netz jederzeit griffbereit.