Geoquest-Expedition Albanien 2013

Text: Gerald Krug

Fotos: Simon Litchfield, Ronald Reichelt (Kletterschule Pirna), Gerhard Duro, Chris Hupe und G. Krug (Geoquest)

Das Geoquest-Team hat nach seiner ersten Albanienexopedition 2010 sein Engagement  auf dem Balkan in diesem Jahr fortgesetzt. Am Start war wieder ein internationales Team.

Das Vorhaben war der Papingut, ein Berg im Süden Albaniens mit 2486 m sowie die Suche nach neuen Sportklettermöglichkeiten.


Geoquest-Aktivitäten in Albanien und Montenegro 2008-13

Schon die Anfahrt war ein Abenteuer an sich, auch wenn in Albanien jetzt Autobahnen gebaut werden, so lauern hinter jede Ecke Überraschungen. Mal kommt einen ein Heuwagen entgegen, mal lernt ein kleines Kind Fahrradfahren auf der Überholspur. Entgegenkommend, versteht sich. Dafür ist das Fahrverhalten der Albaner recht zivil. Auch wenn es keine richtigen Verkehrsregeln gibt, so lässt man sich doch gegenseitig (anders als im verbiesterten Deutschland) wohlwollend in den fließenden Verkehr und macht Platz, wenn es jemand wirklich eilig hat.
Besonders die letzten Kilometer Piste haben unseren "Offroad"-Dacia an die Grenzen der technischen Belastbarkeit gebracht. Aber schließlich haben wir es doch noch ins letzte Dorf am Berghang geschafft!

Nachdem das ganze Expeditionsgepäck mit Maultieren weit hinauf geschafft worden war, wurde das Gelände für die Tiere zu steil und wir mussten selbst schleppen. Drei mal durfte jeder von uns Gepäck tragen, dann war alles im Basislager.


Das letzte Maultier läuft mit Solarkraft.

Schon am gleichen Nachmittag setzten wir den Transport in Richtung Wandfuß fort. Dieser wurde zwar nicht mehr erreicht, aber alle schweren Klettermaterialien waren nun weit oben.

Am Folgetag starteten Simon und Gerald zum Wandfuß, an dem auch im Sommer noch Schneeflecken zu finden sind und stiegen schließlich in die Wand ein. Was dann kam übertraf die schlimmsten Befürchtungen. Der Fels war flächendeckend extrem brüchig und es gab keinen Riss, in dem man einen Klemmkeil hätte legen können, ohne dass die Begrenzungswände herausgebrochen wären. Nie hätten wir uns vorstellen können, dass eine so gut aussehende Wand so schlecht sein kann. Der Besteigungsversuch wurde abgebrochen und das Material wieder nach unten geschafft.


Dass eine so toll aussehende Wand so brüchig sein kann ...

Am dritten Tag bestieg unsere Gruppe den Gipfel des Papingut über eine Folge von Schluchten und Graten, eine Erstbegehung ohne Seil und Haken. Diese Tour ist eine lohnenswerte leichte Kletterei, die wir detailliert beschreiben (siehe pdf-Anhang).


Die Gratkletterei ist zwar leicht (Grad 2-3), fallen darf man aber trotzdem nicht.

Nun mussten wir noch so viel wie möglich von den Lebensmitteln aufbrauchen und die für 10 Tage vorgesehenen beiden Paletten Bier austrinken, damit die armen Maultiere bergab nicht so schwer zu schleppen haben. Dann ging es zurück in die "Zivilisation".

Da wir bereits auf dem Hinweg einen traumhaft schönen Canyon gesehen hatten, beschlossen wir dort ein Sportklettergebiet einzurichten. dieser Aufgabe widmeten wir uns den Rest der Expeditionszeit und das Ergebnis kann sich sehen lassen.


Lengarica-Schlucht: Historische (ottomanische) Brücke mit Thermalwasserpools im Hintergrund.

Der Lengarica-Canyon ist eine wunderbar gelegene Kalksteinschlucht im Süden Albaniens, nahe der Kleinstadt Permet. Der Platz ist wegen der zahlreichen Thermalquellen und dem vorhandenen Heilschlamm bei Touristen sehr beliebt. Es gibt zwei Restaurants am Eingang zur Schlucht und man kann frei zelten. Bei normalem Wasserstand kann man durch die Schlucht wandern und läuft dabei immer wieder durch knöcheltiefes Wasser. Das ist eine ideale Sommerbeschäftigung, denn im Unterschied zu den temperierten Thermalquellen ist das Flusswasser schön kühl.


Am Eingang zum Canyon gibt es ein Restaurant mit flexiblen Öffnungszeiten, kühlem Bier und hausgemachten Speisen.

Die Kletterei wird durch zahlreiche Kalksteinsinter und viele überhängende Wände charakterisiert. Daneben gibt es Leisten und auch Plattenklettereien.


Wer schon mal eine Route von unten erstbegangen hat, weiß: es ist anstrengend und die Haken kommen nicht immer an die optimale Platzierung. Ronald Reichelt (Kletterschule Pirna) richtet die legendäre Route Gummi drum 8 ein.


Chris klettert und hört Sounds of Albania 8.

Wir haben einen Sektor mit 13 Routen eingerichtet und einen weiteren mit einem Traum-Projekt "angekratzt". Das Potenzial der Felsen genügt locker für über 1000 Touren, das schöne Gebiet wird sicher bald weitere Kletterer und Erstbegeher anlocken.


Immer wieder kommen wackere Wandersleut durch den Canyon und schauen beim Klettern zu.


Gerhard Duro klettert Wet Nightmares 7.


Ronald im Projekt Doppelsinter.


An der Basis der Wand mit dem Doppelsinter ist ein guter Bouldersektor. Auch an den Schluchtwänden sind sehr gute rund gewaschene bloc-Probleme zu finden.
 


Klettern und Baden - nicht nur für Ronald eine gute Kombination!

Da es inzwischen in Albanien auch im Kletterbereich zu einer erfreulichen Entwicklung gekommen ist, wozu ein Sportklettergebiet mit sehr schweren Touren bei Tirana (Brar) sowie ein traumhaftes Gebiet mit Routen aller Grade am Meer (Gjipe) gehört, rückt das Land immer mehr auf die Reiselandkarte des kletternden Europäers. Unsere Karte gibt eine Übersicht:

Expeditionsteilnehmer:


Gerhard Duro, Kletterclub Partizani, Tirana, Albanien


Simon Litchfield (England)


Ronald Reichelt (Pirna, Deutschland) Kletterschule Pirna


Christiane Hupe (Halle, Deutschland) Geoquest


Gerald Krug (Halle, Deutschland) Geoquest

Zufahrt zum Canyon:

Der Canyon befindet sich nahe der Kleinstadt Permet in Südalbanien. Von dort fährt man ca. 7 Kilometer in Richtung Südosten (griechische Grenze). Dann gibt es einen Linksabzweig zu den Thermalquellen, man erkennt ihn daran, dass der Straßenbelag der Nebenstraße viel besser als der der Hauptstraße ist. Es sind nun noch 6 Kilometer, bis man zu einer neu gebauten Brücke gelangt. Vor dieser links hinunter und nun sehr holprig bis zum Parkplatz. Man läuft an den Restaurants vorbei, passiert die historische Brücke und gelangt durch den Canyon gehend nach ca. 600 Metern zum Klettersektor.

 

Zur früheren Albanienexpedition 2010 klicke hier!

Nachtrag: Für zukünftige Erschließungen von Sportkletterrouten bitte nur noch A2 stainless steel bolts verwenden! Das mediterrane Klima verkürzt die Lebenszeit von verzinktem Material zu sehr.

Infos zum HerunterladenGröße
Lengarica_Canon_Topo_.pdf124.37 KB
Maja e Papingut.pdf399.52 KB