Bergsichten-Vortrag Erzgebirge

Bergsichten-Vortrag Sonntag 13.11. 10 Uhr

Es muss nicht immer Sandstein sein!

 

Das Erzgebirge – Naturjuwel & Kletterziel

Geboren und aufgewachsen bin ich im mittleren Erzgebirge: die Verbundenheit mit meiner Heimat ist heute - nach vielen Reisen und Expeditionen um die halbe Welt - stärker als je zuvor. Bereits als Steppke stand ich bei Familienwanderungen staunend unter dem 60 Meter hohen Nonnenfelsen im Tal der Schwarzen Pockau. Zunächst sollten jedoch mehr als 20 Jahre vergehen, bis ich erst das Bergsteigen und später die Kletterei für mich entdeckte.

Von Beginn an gehört für mich das Fotografieren und Schreiben dazu. 2010 hatte ich das Glück, einen Artikel über die klassischen Kletterziele des Erzgebirges im DAV Panorama zu veröffentlichen. Dadurch ermutigt trat ich mit der Redaktion des Magazins „Klettern“ in Kontakt und tatsächlich gab es grünes Licht für einen großen Erzgebirgsartikel. Einen Sommer lang trommelte ich an den Wochenenden Kletterfreunde für Fotosessions zusammen und lernte Stück für Stück meine Kletterheimat immer besser kennen.

Dabei traf ich Verleger und Kletterbuchautor Gerald Krug aus Halle/Saale und gemeinsam war der nächste Schritt schnell getan: Vor drei Jahren haben wir beschlossen, einen Topo­- Kletterführer übers gesamte Erzgebirge unter dem Titel „Glück auf“ in Angriff zu nehmen, vom Müglitztal bis zur Talsperre Eibenstock. In Ermangelung eines PKWs war ich seither emsig mit der Bahn, mit dem Rad und zu Fuß im Erzgebirge unterwegs: Felsen fotografierend, Zustiege, Routen­verläufe und Hakenpositionen recherchierend. Immer dabei war die Kamera.

Wie eine Offenbarung war die Erkenntnis, dass der Erzgebirgskamm auf tschechischer Seite noch wilder und einsamer ist als diesseits der Grenze. Ich begann, abgelegene Wander- und Klettergipfel zu sammeln. Vom Sattelberg (723 m) im Osten über Eduard (885 m) und Lauschhübel (842 m) in der Mitte bis zum Hassberg (994 m) und Wirbelstein (1094 m) im Westen gibt es herrliche Aussichtsberge gänzlich ohne Lift und Kneipe, dafür mit Gipfelbuch und Gipfelkreuz. Zugleich ist das Erzgebirge eine einzigartige Kulturlandschaft: der Bergbau hat die Region über Jahrhunderte geprägt und die traditionelle Erzgebirgsweihnacht ist weltweit einmalig. Auch davon soll mein Vortrag berichten.

Zurück zum Klettern. Im Vergleich zum Elbsandsteingebirge ist die aktuelle Zahl der Felsen (150) und Routen (2000) überschaubar und diese sind weit übers Gebirge verstreut. Sandstein, Gneis, Granit, Porphyr, Rhyolith und Glimmerschiefer: die Bandbreite der Gesteine ist dafür umso größer. Geklettert wird an Massivwänden, in Steinbrüchen, aber auch an markanten Gipfeln und grazilen Felsnadeln: Kanten, Wände, Risse, Bäuche, Verschneidungen, Reibung und Leisten – sogar das eine oder andere kletterbare Dach findet sich im Erzgebirgsfels – wenn man weiß, wo.

Das Erzgebirge ist ein Pultschollengebirge: Die Landschaft ist geprägt von einer stillen Kammregion und nordseitig von markanten Tälern: Während die Müglitz noch direkt den Weg zur Elbe findet, ist es westlich davon die Mulde, die das Gebirge über ihre Zuflüsse entwässert. Fotogene Kletterfelsen stehen in den steilen Uferflanken von Freiberger und Zwickauer Mulde, von Zschopau, Bobritzsch, Pressnitz und Schwarzer Pockau. Sie sind typisch für die Kletterei in Südwestsachsen. Mancher Felsen steht auch oben auf bewaldeten Bergrücken: Während die traditions­reichen Greifensteine Dresdener Kletterern zumindest vom Namen vertraut sein dürften, ist die Felsgruppe des Heinrichsteins jenseits der Grenze sicher noch ein Geheimtipp.

Bouldern auf der tschechischen Seite (Krusne hory).

Anders als bei Expeditionen in ferne Länder ist eine Entdeckungsreise in die eigene Heimat nie zu Ende. Zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter lockt „mein“ Erzgebirge mit neuen Zielen. So kann der Vortrag nur eine Zwischenstation sein. Auf diesem Wege möchte ich das zumeist Dresdener Publikum einladen auf eine Reise zu spannenden und hier wenig bekannten Zielen dies- und jenseits der Sächsisch-Böhmischen Grenze. Nachmachen ausdrücklich erwünscht!

Der Vortrag zum Erzgebirge ist auf dem Bergsichten-Festival am Sonntag, dem  13.11. um 10 Uhr im Luis Trenker Saal zu sehen und hören. Da es einen Wettbewerb der Kurzvorträge geben wird, bitte ich schon mal darum, dem geliebten Erzgebirge in die engere Wahl der Stimmabgabe zu nehmen! Danke!

Mehr Infos: hier!