Holzbergrettung geht in nächste Runde

Der große Kampf der vergangenen Monate dreht sich um die Rettung des Holzberges, des wichtigsten Klettergebietes in der Umgebung von Leipzig. Dabei handelt es sich um einen vielschichtig gelagerten Konflikt, bei dem Schwarzweißmalerei nicht weiterbringt und wir auch die Grautöne warnehmen müssen, um alles zu verstehen und möglichst eine von allen tragbare Lösung zu erreichen.

Zu den Hintergründen

Die Basalt AG hatte mit der Übernahme der Sächsischen Quarzporphyrwerke auch den stillgelegten Steinbruch Holzberg übernommen, der zusammen mit dem benachbarten stillgelegten und sich peu a peu mit Wasser füllenden Koppelschen Berg (ein riesiger Steinbruch mit wenigen isolierten Kletterrouten) ein gemeinsames Grundstück bildet. 1997 wurde für den Holzberg die Verfüllung genehmigt, Ziel war damals, den Berg hinterher so aussehen zu lassen, als hätte gar kein Abbau stattgefunden. Zu diesem Zweck wird der Grundwasseranstieg mittels regelmäßig laufender Pumpen reguliert bzw. auf gleichem Stand gehalten. Da ringsum viele aktive Steinbrüche tätig waren und sind, fällt viel Verfüllmaterial an, welches untergebracht werden muss. Von 1997 bis 2006 wurde ca. 25% des Volumens bereits aufgefüllt. Zwischen 2006 und 2018 ruhte die Verfüllung. Die gesetzliche Regelung besagt, dass die Verfüllgenehmigung erlischt, wenn sie mehr als 10 Jahre nicht in Anspruch genommen wird. 2018 verkaufte die Basalt AG das komplette Gelände an die Bau- und Recyclingfirma Kafril (Aushubarbeiten). Soviel berichtet wurde, betreibt die Basalt AG keine eigenen Deponien und hat den Bereich deshalb ausgelagert. Der Firma Kafril wurde im Jahr 2018 die weitere Verfüllung bergrechtlich vom Oberbergamt Freiberg genehmigt. Die Pläne, welche ich auch einsehen konnte, sehen eine „scheibenweise“ (schichtweise) Verfüllung des gesamten Steinbruchlochs vor, wodurch die Felswände zum größten Teil verschwinden würden und an der Südseite die deponierten Schichten sogar über das vorher vorhandene Oberflächenniveau hinausragen würden.

Zur Klettersportlichen Bedeutung des Holzberges

Der Holzberg ist das wichtigste Klettergebiet Mitteldeutschlands. Da es hier vor allem viele leichte und mittelschwere Touren gibt (aber auch einige wunderbare schwere Routen bis 10-) ist der Standort immens beliebt. Die Wandhöhen gehen bis 50 Meter, die längsten Routen des ganzen Gebietes gibt es hier zu absolvieren. Man kann auch plausibel Stand beziehen und nachholen und somit Mehrseillängen üben. Die leichten Wege sind alle geneigt, so dass sich auch Anfänger gut probieren können. Ein Helm ist allerdings immer anzuraten, da einige Bereiche durchaus etwas alpin anmuten. Die Einstiegsbereiche befinden sich auf Bermen, so dass diese  nicht kindergeeignet sind. Unten befinden sich aber große Flächen mit Wiesen und Feuchtbereichen, so dass auch genügen Lagermöglichkeiten für Familien vorhanden sind. Die südseitige Exposition der Wände macht das Gebiet auch in der kühlen Jahreszeit überaus attraktiv.

 An schönen Wochenenden sind hier häufig über 100 Aktive anzutreffen und da es nach Norden keine weiteren Klettergebiete mehr gibt, reicht der Einzugsbereich des Holzbergs von Leipzig über Dresden und Halle bis nach Berlin, Frankfurt(Oder), Magdeburg und sogar Niedersachsen und Hamburg.

Von den 5 Klettergebieten der Hohburger Berge wurde 1. die Schwarze Wand gesprengt, 2. das Klettern am Zinkenberg verboten (ebenfalls Verfüllungsbereich der Basalt AG) und nun ist der Holzberg als 3. massiv bedroht. Das wiegt um so schwerer, als das Klettern durch die neuen Indoormöglichkeiten boomt und die Zahl derjenigen, die auch mal draußen klettern wollen, ansteigt. Außerdem befindet sich der Spielberg als Nr.4 auf Privatbesitz und hat deshalb auch keinen rechtlich so besonders gut gesicherten Status. Das einzige Klettergebiet, welches als sicher gelten kann ist nur 5. der Gaudlitzberg, welcher durch die jährlich dort stattfindende Bergfilmnacht in der Region sehr gut bekannt und als Klettergebiet akzeptiert und vertraglich gesichert ist. Mehr noch, die Bergfilmnacht gilt als regionales touristisches Highlight und hat den DAV Leipzig in der Region auch als Akteur hohe Achtung eingebracht.

Die naturschutzfachliche Bedeutung des Holzberges

Die unten befindliche Fläche, welche aus der bisher erfolgten Verfüllung besteht, hat sich in den letzten Jahren zunehmend vernässt, es ist ein überaus artenreiches Biotop entstanden, welches durch die Flachwasserbereiche einzigartig ist und zahlreichen Insekten und anderen Tieren als Nahrungsquelle dient. Angesichts des deutschlandweiten Insektensterbens können wir den Bereich als ein Beispiel sehen, wo wir endlich selbst einmal etwas für deren Schutz tun können. Das Klettergebiet ist ein Paradebeispiel der guten Koexistenz von Klettern und Naturschutz.

Es gibt Fledermäuse, die seltene Schlingnatter, Zauneidechsen, normale Eidechsen und viele Vögel, wie Störche und Uhu, welche vom Nahrungsangebot des Flachwasserbereiches profitieren.

In Böhlitz hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, welche die Verfüllung verhindern möchte und sehr aktiv ist. Sie sind überaus engagiert und aktiv, so dass durchaus Chancen bestehen, dass das Vorhaben gestoppt oder wenigstens eingeschränkt werden kann.

Ein umweltfachliches Gutachten ist in Auswertung und müsste eigentlich dazu führen, dass die entstandenen Biotope geschützt bleiben und darauf keine Verfüllung stattfinden darf. Nach dem ersten Benehmen schätzt die UNB die Wertigkeit des Biotops aber vielleicht nicht hoch genug ein und lässt die Verfüllung zu. Nur öffentliche Aufmerksamkeit und entsprechender politischer Wille kann dazu führen, den Steinbruch für Naturliebhaber und Kletterer zu retten.

Position der Kletterer

Die Kletterer allerdings stehen zwischen den Fronten. Das Gelände unterliegt dem Bergrecht und ist Betriebsgelände der verfüllenden Firma Kafril. Diese fürchtet die entstehende öffentliche Aufmerksamkeit und möchte Ruhe in der Diskussion haben. Den Kletterern wurde zugesichert, dass sie ihrer Aktivität während der nächsten Jahre weiter nachgehen können und inzwischen wurde mit der DAV-Sektion Leipzig und der IG Klettern Mittelsachsen als lokalen Akteuren ein neuer Nutzungsvertrag unterschrieben. Dies ist notwendig, denn das Areal ist Betriebsgelände und der Eigner Kafril kann den Zugang jederzeit untersagen.

Auch die Bürgerinitiative umwirbt die Kletterer als möglichen Koalitionspartner für den Kampf um den Erhalt des Gesamtbiotops Felsflächen + Feuchtbiotop.

Für uns Kletterer stellt sich nun die komplizierte Aufgabe, einerseits den Sport weiter zu gewährleisten, andererseits aber als bundesweit anerkannter Naturschutzverein für den Erhalt des Biotops zu kämpfen.

Sollte nämlich die Verfüllung wie vorgesehen stattfinden und nur die Felswand freibleiben, würde sich eine Art Rinnenstruktur bilden. Der riesige Schotterkörper des verfüllten Steinbruches aber würde komplett in diese freie Rinne entwässern und das Klettern würde durch den ansteigenden Wasserspiegel unmöglich werden. Auch der mit dem Betreiber abgeschlossene Nutzungsvertrag kann jederzeit gekündigt werden. Ein mögliches Szenario wäre, dass das Klettern in der „Rinne“ noch 20 Jahre möglich wäre, die Verfüllfirma dann den Kletternutzungsvertrag kündigt und den Rest dann auch noch verfüllt. Wir alle wissen, dass, wenn es um viel Geld geht (und Deponierung von Aushubmaterial ist ein einträgliches Geschäft, wer sich dafür interessiert, kann es leicht googeln), Verträge, die man 20 Jahre zuvor mit nichtzahlenden Freizeitvereinen geschlossen hat, von begrenztem Wert sein dürften.

Viele Kletterer haben deshalb die Petition der Bürgerinititative unterstützt, welche Mitte März im sächsischen Landtag übergeben wurde. Viele Hoffnungen ruhen auf dieser Petition und darauf, dass sich die Politiker diesen berechtigten Interessen der Bürger annehmen. Viel wurde in den vergangenen Monaten über das Insektensterben berichtet, hier haben wir einen konkreten Fall, wo wir einen sehr wichtigen Insektenlebensraum retten können!

Mehr Infos auf der Internetseite von Olaf Rieck.
Schilderung der Situation: hier!
Update dazu: hier!